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Behauptung

Der israelisch-palästinensische Konflikt ist ein kompliziertes Thema

Antwort

Was ist so „kompliziert“ daran, dass ein atomar bewaffneter Siedlerkolonialstaat, gestützt von den mächtigsten Staaten der Welt, einem ganzen Volk seit über acht Jahrzehnten Besatzung, Belagerung, ethnische Säuberung, Apartheid und Völkermord auferlegt? Man braucht keinen Doktortitel, um Unterdrückung als das zu erkennen, was sie ist.


Die Vorstellung, Palästina sei „zu kompliziert“, beruht auf der falschen Prämisse, es handele sich um einen „Konflikt“ zwischen gleichberechtigten Seiten. In Wirklichkeit ist die eine Seite ein Siedlerkolonialstaat, der Völkermord und Apartheid auferlegt, während die andere ein besetztes und kolonisiertes Volk ist, das sich der Herrschaft widersetzt. Dieses Framing verschleiert die Wurzeln der Unterdrückung, löscht das gewaltige Machtungleichgewicht aus und normalisiert koloniale Herrschaft.


Zu behaupten, das Thema sei „zu kompliziert“, entmenschlicht palästinensische Überlebende, Journalisten, Menschenrechtsanwälte, Künstler, Wissenschaftler und zivilgesellschaftliche Organisationen, die jahrzehntelang einen hohen Preis dafür zahlten, die israelische Unterdrückung zu dokumentieren, aufzudecken und dagegen einzutreten – mit Attentaten, Inhaftierungen, Folter, Ausweisungen, Kriminalisierung und Schmutzkampagnen. Palästina als „zu kompliziert“ abzutun, heißt, die Menschen abzutun, die Generationen lang dem israelischen Kolonialregime widerstanden haben.


Die Behauptung, Palästina sei „zu kompliziert“, zerbricht auch angesichts jahrzehntelanger internationaler Feststellungen, die Israels systematische Verbrechen und Verstöße gegen das Völkerrecht dokumentieren. Israel sehen sich mit Haftbefehlen und Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofs wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit konfrontiert, mit Völkermordverfahren vor dem Internationalen Gerichtshof, mit mehr als 1.000 UN-Resolutionen, die systematische Verstöße gegen das Völkerrecht dokumentieren, und mit der Verurteilung durch eigene Menschenrechtsorganisationen wegen Apartheid, Völkermord und anderer Verbrechen. Was genau ist daran so kompliziert?


Dass Palästina nachdem die Palästinenser einen live übertragenen Völkermord erduldeten, immer noch als „zu kompliziert“ bezeichnet wird, ist bemerkenswert. Die Welt sah zu, wie die sechsjährige Hind Rajab in einem Auto gefangen saß, umgeben von ihren ermordeten Verwandten, und um Rettung flehte, bevor sie über 300-mal angeschossen wurde. Sie sah vertriebene Familien in Zelten lebendig verbrannt, Patienten und medizinisches Personal in Massengräbern an Krankenhäusern verscharrt, hungrige Palästinenser erschossen, die Nahrung suchten, ganze Familien aus dem Zivilregister getilgt und Gefangene gefoltert und vergewaltigt. Nach all dem Palästina immer noch als „zu kompliziert“ zu bezeichnen, zeigt das Ausmaß, in dem palästinensisches Leben entmenschlicht wurde.


Ungerechtigkeit als „kompliziert“ zu bezeichnen, wurde von kolonialen Regimen schon lange genutzt, um Unterdrückung zu normalisieren und von Handlung abzuhalten. Verteidiger der Apartheid in Südafrika beschrieben sie als komplex, während Verteidiger der Sklaverei behaupteten, die Abschaffung würde die Wirtschaft destabilisieren. Den Palästinsern wird ähnlich gesagt, ihre Freiheit sei unrealistisch, weil das Thema angeblich „zu kompliziert“ sei. Diese Erzählungen sollen koloniale Herrschaft akzeptabel, permanent und unveränderbar erscheinen lassen und den Willen der unterdrückten Völker zum Widerstand brechen.


Die Behauptung, Palästina sei „zu kompliziert“, ist auch eine gezielte politische Taktik Israels und seiner Verbündeten, um Verantwortung abzuwehren und Mittäterschaft zu verschleiern. Mächtige Staaten haben Israel jahrzehntelang mit Waffen beliefert, finanziert und diplomatisch geschützt. Das Thema als endlos „kompliziert“ zu rahmen, erlaubt es ihnen, der Rechenschaftspflicht für die Ermöglichung und Verwertung Israels Völkerrechtsverstöße, Militärbesatzung, Apartheid und des ersten live übertragenen Völkermords der modernen Geschichte auszuweichen. Das Problem war nie ein Mangel an Klarheit, sondern ein Mangel an politischem Willen.

Quellen

  1. Decolonize Palestine, 'Myth: It's Just So Incredibly Complicated'.
  2. Nasim Ahmed, 'Debunked: The Myth of the Complexity of Palestine-Israel', Middle East Monitor, 2023.
  3. Muhannad Ayyash, 'Break the Fear Barrier and Speak Up for Palestine', Al Jazeera, 2021.

Themen: Nakba & Geschichtsleugnung