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Behauptung

Antizionismus ist Antisemitismus

Antwort

Antizionismus mit Antisemitismus gleichzusetzen, ist eine Taktik der Verzerrung. Antizionismus ist die Opposition gegen eine siedlerkoloniale Bewegung, die das Judentum instrumentaliserte, um in Palästina einen jüdischen Staat zu errichten. Palästinenser widersetzen sich dem Zionismus, weil er sie ethnischer Säuberung, Besatzung, Apartheid und Völkermord ausgesetzt hat. Es hätte Widerstand gegen den Zionismus gegeben, unabhängig von der Religion der Kolonisatoren.

Antizionismus mit Antisemitismus gleichzusetzen, verzerrt auch die Geschichte. Die systematische Verfolgung der Juden – von Vertreibungen und Pogromen bis zum Holocaust – entsprang Europa. Gleichzeitig lebten jüdische Gemeinschaften in ganz Palästina und der weiteren Region als integrale Teile ihrer Gesellschaften und teilten gemeinsame Sprachen, Kulturen und Geschichten. Es war der Zionismus, der die jüdische Identität als vereinheitlichte nationale Identität neu schrieb, Jahrhunderte des Zusammenlebens zerstörte und die durch die Kolonisierung erzeugte Feindseligkeit auf die Kolonisierten projizierte.

Diese Behauptung bricht unter dem Gewicht des jüdischen Widerstands gegen den Zionismus zusammen. Millionen von Juden lehnen – gemeinsam mit Organisationen wie Jewish Voice for Peace, Independent Jewish Voices und Neturei Karta – den Zionismus aus moralischen, religiösen und politischen Gründen ab und weigern sich, Apartheid und Völkermord in ihrem Namen geschehen zu lassen.

Die Entkopplung des Zionismus vom Judentum ist entscheidend, aber es sollte nicht Aufgabe der Palästinenser sein, diese Unterscheidung in jedem Wort und jeder Handlung ständig selbst herzustellen. Die Vermischung wurde vom Zionismus selbst konstruiert. Israel definiert sich als „jüdischer Staat“, gewährt auf dieser Grundlage exklusive Rechte und beansprucht, Juden weltweit zu vertreten. Das ist nicht bloße Rhetorik. Das Leben der Palästinenser unter kolonialer Herrschaft wird von israelischen jüdischen Soldaten und Siedlern geprägt, die Enteignung und Völkermord durchsetzen. Doch wenn sich Palästinenser gegen diejenigen widersetzen, die sie direkt unterdrücken, werden sie beschuldigt, gegen Juden zu kämpfen, statt sich kolonialer Herrschaft zu widersetzen.

Ironischerweise arbeiteten zionistische Führer im Verfolg ihres kolonialen Projekts mit antisemitischen Amtsträgern und Regimen zusammen. Herzl, der Gründer des Zionismus, schrieb: „Die Antisemiten werden unsere verlässlichsten Freunde, die antisemitischen Länder unsere Verbündeten sein.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg verloren Kolonialismus und Antisemitismus zunehmend ihre internationale Legitimität. Wie Joseph Massad schreibt: „Die einzige Verteidigung, die Israel in der neuen Welt, die sowohl Kolonialismus als auch Antisemitismus ablehnte, aufbringen konnte, bestand darin, das eine zur Verteidigung des anderen zu nutzen.“ Auf diese Weise wurden Antisemitismusvorwürfe zu einem politischen Werkzeug, mit dem das koloniale Projekt des Zionismus vor Rechenschaftspflicht abgeschirmt wurde.

Antizionismus mit Antisemitismus gleichzusetzen, ist eine bewusste Strategie, um Widerstand und Solidarität mit Palästina zu unterdrücken. Das zeigt sich exemplarisch in der weitverbreiteten Übernahme der IHRA-Definition von Antisemitismus zur Unterdrückung von Kritik an Israel. In der Praxis führte dies zu Zensur in den Massenmedien, Sanktionen gegen Studierende und Akademiker, abgesagten Veranstaltungen, entzogenen Fördermitteln für Kulturprojekte sowie koordinierten Schmutzkampagnen gegen Aktivistinnen und Aktivisten und Solidaritätsgruppen. Die systematische Unterdrückung der Opposition gegen Israel unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Antisemitismus wurzelt selbst im antipalästinensischen Rassismus.

Kein Staat hat Anspruch auf Straffreiheit. Israel ist ein Staat, keine Religion. Es zu kritisieren ist an sich nicht mehr antisemitisch, als die Kritik an Saudi-Arabien islamophob oder die Kritik an Indien antihinduistisch wäre.

Quellen

  1. Decolonize Palestine, 'Myth: Anti-Zionism is Anti-Semitism'.
  2. Maher Charif, 'Palestinians and the Phenomenon of Antisemitism,' Institute for Palestine Studies, 2024.
  3. Joseph Massad, 'Zionism, Anti-Semitism and Colonialism,' Al Jazeera, 2012.
  4. Mohammed El-Kurd, 'Answering my favorite question: does anti-zionism = anti-semitism?'
  5. Nora Barrows-Friedman, 'Video: Why anti-Zionism is not anti-Semitism,' Electronic Intifada, 2021.
  6. Jewish Voice for Peace, 'On Antisemitism, Anti-Zionism, and Dangerous Conflations'.

Themen: Antisemitismus, Zionismus